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Brief von Fanny Tarnow an Helmina von Chézy

Hamburg, 7. Juni 1819
Biblioteka Jagiellońska Kraków | SV 241 Tarnow Fanny, Bl. 38-39 XML-Datei downloaden
Absender/-in
Fanny Tarnow
Empfänger/-in
Helmina von Chézy
Datierung
7. Juni 1819
Absendeort
Hamburg
Empfangsort
Umfang
2 Blätter
Abmessungen
Breite: 130 mm; Höhe: 210 mm
Foliierung
Foliierung in Bleistift durch die Biblioteka Jagiellońska Kraków.
Herausgeber/-innen
Jadwiga Kita-Huber; Jörg Paulus
Bearbeiter/-innen
Quellenrecherche, Transkription, Auszeichnung nach TEI P5 und Annotation durch Renata Dampc-Jarosz; XML-Korrektur durch Simona Noreik
Bibliographie
Ludwig Stern: Die Varnhagen von Ensesche Sammlung in der Königlichen Bibliothek zu Berlin. Berlin: Behrend & Co. 1911.

Seite „38r“

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[Karl August Varnhagen]Fanny Tarnow
an Fr. von Chézy.
Hamburg den 7ten Junÿ 1819.

Ich habe heute keine Zeit, theure Helmine,
Ihren lieben seelenvollen Brief zu
beantworten, sondern nur einige Minuten
Sie im Bezug auf Ihre Anfrage wegen
der gepl gemeinschaftlichen Herausga-
be eines Bändchens historischer Novellen

zu fragen: ob Sie wohl geneigt wären statt
einer Arbeit von mir, eine sehr
hübsche Novelle meiner Freundin, der
Doctorin Amalie Schoppe, aufzunehmen,
die es sich zur ausgezeichneten Ehre
machen würde, unter Ihrem Schutze
aufzutreten. Sie liebt u achtet Sie
sehr u mehreres was sie von Ihnen
gelesen hat, hat Ihnen ihr ganzes
Herz gewonnen. Der Stoff zu Amaliens
Erzählung
ist das unglückliche Schicksal
der Tochter der Kaiserin Elisabeth
die in Italien lebte u von dort
durch Orlow auf so grausame Weise
entführt wurde, um in den unter-

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irdischen Kerkern Schlüsselburgs
ihr schuldloses Leben zu enden. – Ich
finde Amaliens Erzählung sehr gelungen –
hätten Sie Neigung meinen Vorschlag
gutzuheißen, so würde ich Ihnen durch
Gelegenheit das Mspt zur Prüfung
senden. – Ich habe leider, leider nichts
fertig was sich zur Mitherausgabe
eignete u kann auch jetzt durchaus nichts
schreiben. Meine Bourbon
hat Wendt in
Leipzig schon seit einigen Monaten,
sonst hätte ich ihn so gerne mit Ihnen
vereint herausgegeben – Lassen Sie mich
Ihren Entschluß aber baldmöglichst erfahren.
Ihren Galan Fantasma
haben Sie doch er-
halten? – Ihren Vater habe ich schon
mehreremale gesehen u viel mit ihm
von Ihnen gesprochen. Er ist sehr wohl
u rüstig. – Adieu, Liebe, Gute – wo
wird dieser Brief Sie finden? –
Möge dieser sonnenhelle Sommer Ihnen
freudige Heiterkeit, frische Lebenslust
u Lebenskräftigkeit schenken! – Mir
geht es ziemlich. – Was haben Sie zu
Chamissos Verlobung mit Antonie

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Was zu Neumanns Verlobung
mit Doris gesagt? – Im August kommt
Hitzig mit allen seinen Kindern u
der edlen Lotte zu mir zum Besuch –
Gott seÿ mit Ihnen. Ich bin u bleibe
von Herzen
Ihre
Freundin.

Fannÿ.
Hamburg
A.B.C. Straße
im Hause des Doctor Stierling.

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Frau Helmine von Chezÿ
in