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Brief von Fanny Tarnow an Rosa Maria Assing

o. O., o. D.
Biblioteka Jagiellońska Kraków | SV 241 Tarnow Fanny, Bl. 22 XML-Datei downloaden
Absender/-in
Fanny Tarnow
Empfänger/-in
Rosa Maria Assing
Datierung
vor 1840
Absendeort
Empfangsort
Umfang
1 Blatt
Abmessungen
Breite: 115 mm; Höhe: 190 mm
Foliierung
Foliierung in Bleistift durch die Biblioteka Jagiellońska Kraków.
Herausgeber/-innen
Jadwiga Kita-Huber; Jörg Paulus
Bearbeiter/-innen
Quellenrecherche, Transkription und Annotation durch Renata Dampc-Jarosz; Auszeichnung nach TEI P5 durch Betty Brux-Pinkwart; XML-Korrektur durch Simona Noreik
Bibliographie
Ludwig Stern: Die Varnhagen von Ensesche Sammlung in der Königlichen Bibliothek zu Berlin. Berlin: Behrend & Co. 1911

Seite „22r“

22

Assing.
Am Montag.
Wie sehr bedaure ich es, meine theure
Rosa,
gestern nicht zu Hause gewesen
zu seÿn u Sie also verfehlt zu haben! –
Mir ist das Herz oft voll der wärmsten
Sehnsucht nach Ihnen gewesen, allein,
liebste Rosa, ich wußte mich bei Ihnen
schwer angeklagt u da ich mich durchaus
nicht auf fremde Kosten rechtfertigen
wollte, so trug ich lieber den Schmerz
mich von Ihnen getrennt u verkannt
zu fühlen, stumm – aber gefühlt habe ich
ihn tief u schmerzlich. – Ihr gestriger Besuch,
Liebste, läßt mich hoffen, daß Sie mir
nicht zürnen. Sagen kann u mag ich Ihnen
nichts von den Vorfällen der letzten Zeit –
ich ergebe mich darin, wenn Sie mich für
schuldig halten u Freundschaft ist mir
so heilig, daß ich mir auch nicht eine
Miene, ein Wort vergönnen möchte,
welches mich auf Kosten Ihrer Freundin
rechtfertigen könnte – aber das kann
u darf ich sagen: mein Bewußtseÿn
spricht mich von jedem Unrecht frei u
ich halte nur mich für den beleidigten, schwer
gekränkten Theil. Wie viel mir die
Hofnung gilt, daß dieser unglückselige

Seite „22v“

Vorfall nicht störend zwischen uns
treten werde, kann ich Ihnen nicht sagen; ich
achte u liebe Sie u Ihren braven Mann
so recht innig, so recht von ganzem Herzen
u es würde mir unbeschreiblich weh-
gethan haben, wenn unser Umgang Ihnen
hiedurch verleidet worden wäre. Lassen
Sie mich das offen erfahren, liebste Rosa,
ist es Ihnen nicht unangenehm mich zu
sehen, sind Sie nicht gegen mich erkäl-
tet, so komme ich mit inniger Freude zu
Ihnen, so bald Sie mir einen Tag bestimmen
wo ich Sie allein weiß. – Wie Sie aber
auch hierueber entscheiden, liebste Rosa,
ich bleibe gegen Sie doch dieselbe u
werde nie aufhören Sie zu lieben u
das Andenken an Sie in treuem Herzen
zu bewahren.
Ihre
Fannÿ