Brief von Amalie von Helvig an Friedrich de la Motte Fouqué
Heidelberg, 24. August 1811
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An Fouqué
Heidelberg den 24ten August 1811.
Werden Sie mich entschuldigen werthester Freund daß ich Ihnen nicht
einmal Zeit zum Athemholen zwischen meinen Briefen lasse
und wie eines echten Artilleristen Frau immer eine Bombe um die andre
in Ihre stille Wohnung sende – Aber leider machen es mir die Menschen
auch nicht besser; ich werde geplagt und muß wieder plagen.
einmal Zeit zum Athemholen zwischen meinen Briefen lasse
und wie eines echten Artilleristen Frau immer eine Bombe um die andre
in Ihre stille Wohnung sende – Aber leider machen es mir die Menschen
auch nicht besser; ich werde geplagt und muß wieder plagen.
Mit nicht geringem Schreken nämlich erhält einer unsrer Freunde
Nachricht hinwiederum von dem besten Freund
aus Frankfurt daß Herr Buchhändler Hitzig nachdem er hier mit
mir gesprochen und mir versprochen hat, die einzige Bedingung
worunter ich den Legenden Allmanach
zu erfüllen, nämlich Hrn. Cornelius die Übernahme der Zeichnungen
zu erleichtern – nicht g erfüllt hat – im Gegentheil sind
so sonderbare Aüßerungen uns geschrieben worden daß ich
sie nur lieber gleich selbst hinsetze damit Sie mich nicht für
eine Visionaire halten. Herr Hitzig nämlich habe Cornelius gesagt:
„daß er auf meine Bedingungen nicht entrirt seÿ und daß die
Existenz des ganzen Unternehmens weitschweifig und zweifelhaft
mithin aber es für Cornelius nicht rathsam seÿ an ein so unbestimmtes
Unternehmen sich auf Geradewohl anzuschließen.“
Was ich heraus ziehen soll mögen die Götter wissen. Hitzig sagte
mir hier daß er gleich an Reimers schreiben, den Brief aber an Corn:
zeigen und auch diesen bitten werde einen Brief beÿzufügen. Daß
unser Unternehmen nicht weitschweifig noch zweifelhaft seÿ, konnte
er wissen indem Ihre Gedichte schon vollendet, an meinen 8 Bogen aber
höchstens ein halber fehlt den ich nach erhaltenen Notizen von Cöln in
die
Nachricht hinwiederum von dem besten Freund
des braven Cornelius
aus Frankfurt daß Herr Buchhändler Hitzig nachdem er hier mit
mir gesprochen und mir versprochen hat, die einzige Bedingung
worunter ich den Legenden Allmanach
herauszugeben bereit bin
zu erfüllen, nämlich Hrn. Cornelius die Übernahme der Zeichnungen
zu erleichtern – nicht g erfüllt hat – im Gegentheil sind
so sonderbare Aüßerungen uns geschrieben worden daß ich
sie nur lieber gleich selbst hinsetze damit Sie mich nicht für
eine Visionaire halten. Herr Hitzig nämlich habe Cornelius gesagt:
„daß er auf meine Bedingungen nicht entrirt seÿ und daß die
Existenz des ganzen Unternehmens weitschweifig und zweifelhaft
mithin aber es für Cornelius nicht rathsam seÿ an ein so unbestimmtes
Unternehmen sich auf Geradewohl anzuschließen.“
Was ich heraus ziehen soll mögen die Götter wissen. Hitzig sagte
mir hier daß er gleich an Reimers schreiben, den Brief aber an Corn:
zeigen und auch diesen bitten werde einen Brief beÿzufügen. Daß
unser Unternehmen nicht weitschweifig noch zweifelhaft seÿ, konnte
er wissen indem Ihre Gedichte schon vollendet, an meinen 8 Bogen aber
höchstens ein halber fehlt den ich nach erhaltenen Notizen von Cöln in
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einem Tag zu schreiben mich anheischig machen kann. Welche meiner Beding-
ungen er nicht eingegangen wäre schwer zu errathen indem ich ihm gar
keine gemacht und auf seine dringenden Fragen nur ihn immer auf Sie
verwiesen habe, dabei aber meinen aufrichtigen Wunsch gezeigt daß die
Sache ihren Fortgang haben möge auf welche Bedingungen es immer seÿ.
Bei einer so gewaltigen Sprachverwirrung bleibt mir nichts übrig als
zu hoffen daß Hr. Hitzig um nicht die Forderung des jungen Künstlers
garantiren zu müssen in einer Anwandlung von Kleinmüthigkeit sich
der unpassenden Worte bedient habe welcher diesen gänzlich erschreken
und im eigentlichsten Sinn von unsrem Unternehmen abbringen mußten.
ungen er nicht eingegangen wäre schwer zu errathen indem ich ihm gar
keine gemacht und auf seine dringenden Fragen nur ihn immer auf Sie
verwiesen habe, dabei aber meinen aufrichtigen Wunsch gezeigt daß die
Sache ihren Fortgang haben möge auf welche Bedingungen es immer seÿ.
Bei einer so gewaltigen Sprachverwirrung bleibt mir nichts übrig als
zu hoffen daß Hr. Hitzig um nicht die Forderung des jungen Künstlers
garantiren zu müssen in einer Anwandlung von Kleinmüthigkeit sich
der unpassenden Worte bedient habe welcher diesen gänzlich erschreken
und im eigentlichsten Sinn von unsrem Unternehmen abbringen mußten.
Wunderbar genug aber bleibt er einer stillen Neigung zu den unbe-
kannten Legenden
erkoren habe ohne noch einen Strich von ihm gesehn zu haben. Er wird
also hierher kommen lediglich uns zu besuchen – da er Boisserées
noch einige andre Personen kennt – Da ich nun durch Sie und Hr.
Hitzig weis daß Hr. Reimers großen Werth und zwar mit Recht
auf die Arbeiten des jungen Mannes legt, so werde ich, verbunden
mit meinen hiesigen Freunden alles thun um ihn hier zu halten
und ich meÿne es wird mir nicht schwer werden ihm seinen Aufent-
halt hier so angenehm zu machen daß er ohne Hrn. Hitzigs Garantie
zu bedürfen, die Zeichnungen für mich unternehmen wird –
Daher bitte ich Sie nun feÿerlich das Resultat der Entschliesungen
des Herrn Reimers mich sogleich wissen zu lassen und zwar will ich
von seiner Hand im Fall das Gantze geht die Versicherung daß
Cornelius die mäßige Forderung von 20 Carolins gesichert erhalte.
kannten Legenden
treu, so wie ich ihn allein vor allem zu meinem Zeichner
erkoren habe ohne noch einen Strich von ihm gesehn zu haben. Er wird
also hierher kommen lediglich uns zu besuchen – da er Boisserées
und
noch einige andre Personen kennt – Da ich nun durch Sie und Hr.
Hitzig weis daß Hr. Reimers großen Werth und zwar mit Recht
auf die Arbeiten des jungen Mannes legt, so werde ich, verbunden
mit meinen hiesigen Freunden alles thun um ihn hier zu halten
und ich meÿne es wird mir nicht schwer werden ihm seinen Aufent-
halt hier so angenehm zu machen daß er ohne Hrn. Hitzigs Garantie
zu bedürfen, die Zeichnungen für mich unternehmen wird –
Daher bitte ich Sie nun feÿerlich das Resultat der Entschliesungen
des Herrn Reimers mich sogleich wissen zu lassen und zwar will ich
von seiner Hand im Fall das Gantze geht die Versicherung daß
Cornelius die mäßige Forderung von 20 Carolins gesichert erhalte.
Bitten Sie ja die Herren daß sie diese Antwort beschleunigen, denn
wenn einmal Corn: nach Italien ist
wenn einmal Corn: nach Italien ist
so dürfte es schwer seÿn wieder
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mit ihm in Raport zu kommen und ich würde dann seine Arbeiten die er-
für mich aus Freundschaft und künstlerischer Grille so billig zu machen
geneigt sich zeigte, dann nicht mehr nach dem Marktpreis sondern nach
ihrem wahren Werthe taxiren. Da ich gar keine Bedingungen mache, sondern-
mir alles gefallen lasse was sich die Herrn selber ausdenken wollten
so kann ich nicht begreifen wie man mit gutem ehrlichem Willen mich
so sehr misverstehen konnte – noch einmal gesagt verschenke ich lieber
als daß ich schlecht verkaufe; sehr geneigt aber und auf die billigsten
Bedingungen bin ich zu diesem Unternehmen und habe dies Hitzig so
wenig als Ihnen werther Freund verschwiegen, weil ich heilig überzeugt
bin daß dies Gantze, so wie es werden könnte vielen Menschen
Freude machen kann und einen ganz neuen Carakter an sich tragen
wird. Auf diesen Brief verlange ich die ungesäumteste Antwort
aus manchen Ursachen – schreiben Sie daher nur zwei Zeilen im Augen-
blick an Reimers daß er nach Heidelberg (wenn er noch so denkt) an
Cornelius die Zusage der 20 Louisd’ors sende – alles übrige wird und
muß sich finden wenn nur der gute Wille da ist.
für mich aus Freundschaft und künstlerischer Grille so billig zu machen
geneigt sich zeigte, dann nicht mehr nach dem Marktpreis sondern nach
ihrem wahren Werthe taxiren. Da ich gar keine Bedingungen mache, sondern-
mir alles gefallen lasse was sich die Herrn selber ausdenken wollten
so kann ich nicht begreifen wie man mit gutem ehrlichem Willen mich
so sehr misverstehen konnte – noch einmal gesagt verschenke ich lieber
als daß ich schlecht verkaufe; sehr geneigt aber und auf die billigsten
Bedingungen bin ich zu diesem Unternehmen und habe dies Hitzig so
wenig als Ihnen werther Freund verschwiegen, weil ich heilig überzeugt
bin daß dies Gantze, so wie es werden könnte vielen Menschen
Freude machen kann und einen ganz neuen Carakter an sich tragen
wird. Auf diesen Brief verlange ich die ungesäumteste Antwort
aus manchen Ursachen – schreiben Sie daher nur zwei Zeilen im Augen-
blick an Reimers daß er nach Heidelberg (wenn er noch so denkt) an
Cornelius die Zusage der 20 Louisd’ors sende – alles übrige wird und
muß sich finden wenn nur der gute Wille da ist.
Gelegentlich erklären Sie mir wohl einmal die Terminologie der Hochge-
bildeten Berliner bester Freund, welche diesmal gar seltsamme Phrasen her-
vorgebracht hat – Ganz andre wenigstens als ich in Heidelberg hörte
wo Madame Lewi samt Herr Hitzig von unsern Allmanach
als läge er schon auf allen Damen Toiletten.
bildeten Berliner bester Freund, welche diesmal gar seltsamme Phrasen her-
vorgebracht hat – Ganz andre wenigstens als ich in Heidelberg hörte
wo Madame Lewi samt Herr Hitzig von unsern Allmanach
sprachen
als läge er schon auf allen Damen Toiletten.
Wolle der Himmel daß der brave aber scheue Cornelius falsch verstanden
habe und ich mich in diesen Tagen einiger Zeilen des Herrn Reimers zu
erfreuen habe worin er das Briefgen an Cornelius beischließen kann
der bis dahin gewiß schon hier und am Zeichentische fleisig ist.
habe und ich mich in diesen Tagen einiger Zeilen des Herrn Reimers zu
erfreuen habe worin er das Briefgen an Cornelius beischließen kann
der bis dahin gewiß schon hier und am Zeichentische fleisig ist.
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Vergeben Sie dies gräuliche Geschreibsel aber es ist spät und meine Augenfolgen der Feder nicht mehr. Viele Empfehlungen an Ihre Frau Ge-
mahlin – Lassen Sie mich doch auch ungesäumt Ihre Gedichte
zum Allmanach
haben damit wir für die Eintheilung recht zwek-
mäsig treffen – und so behüte der Herr Sie und unser
zweifelhaftes und weitschweifiges Unternehmen und
wenn alle Poesie untergehn sollte in den Wellen der Ungewiß-
heit und des Eigennutzes so erhalte er mir wenigstens Ihre
Freundschaft die ich höher schätze als alles Wissen.
treue Freundin Amalie v Helvig
geboren v Imhoff