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Brief von Karl Gutzkow an Helmina von Chézy

Frankfurt am Main, 14. Januar 1843
Biblioteka Jagiellońska Kraków | SV 79 Gutzkow Karl, 14.01.1843 XML-Datei downloaden
Absender/-in
Karl Gutzkow
Empfänger/-in
Helmina von Chézy
Datierung
14. Januar 1843
Absendeort
Frankfurt am Main
Empfangsort
Umfang
2 Blätter
Abmessungen
Breite: 110 mm; Höhe: 175 mm
Foliierung
Foliierung durch die Biblioteka Jagiellońska Kraków noch ausstehend.
Herausgeber/-innen
Jadwiga Kita-Huber; Jörg Paulus
Bearbeiter/-innen
Quellenrecherche, Transkription, Auszeichnung nach TEI P5 und Annotation durch Jadwiga Kita-Huber; XML-Korrektur durch Simona Noreik
Bibliographie
Ludwig Stern: Die Varnhagen von Ensesche Sammlung in der Königlichen Bibliothek zu Berlin. Berlin: Behrend & Co. 1911.

Seite „1r“

[Karl August Varnhagen]
K. Gutzkow an Fr. v. Chézy.
1843.

Gnädige Frau,
schreiben Sie es nicht meiner Unachtsamkeit, sondern
meinen überhäuften Arbeiten zu, daß ich bis jezt auf
Ihre freundlicheren Zeilen vom 20. Dez. v. J. noch
nicht geantwortet habe.
Zu den Abhaltungen mochte auch ein nicht
unansehnliches Stück Verlegenheit kommen. Ich
bin mir bewußt, nichts böses gegen Sie im
Schilde geführt zu haben, besitze überhaupt nicht
eine Spur von Animosität gegen eine Dame,
die wie Sie eine so harmlose, nur spendende,
Nichts aufdringende Stellung in der Literatur
hat, und doch muß ich mir sagen, daß
in der fraglichen Stelle
etwas Beschränktes,
fast möcht’ ich sagen, Hinterhältiges liegt.
Nichts kann mich gegen Sie aufge-
bracht haben, und höchstens die augenblick-
liche Ueberraschung, vermöge Ihrer
französischen Beziehungen grade nur Ihren
Namen von einer Frau gekannt zu wissen,

Seite „1v“

die so lebendig in unsre Literatur ein-
gegriffen hat und das Schiboleth ganzer
Gruppen von Schriftstellern geworden ist.
An dieser Verstimmung wären aber auch
wiederum Sie am wenigsten Schuld daher
erklär ich Ihnen, da Sie zwar wissen müssen,
was mich gegen Sie irritiert, daß ich
mit dem größten Interesse Ihre literarischen
Erinnerungen
gelesen habe, nicht die Spur
einer arrière pensée gegen Sie besitze
und gerne bereit bin, in dem Sinne
der Ihnen bereits gegebenen Auskunft einige
Worte darüber im „Telegraphen
, meiner
Zeitschrift, zu sagen. Uebrigens ist das
Interesse an meinem Buche schon so
verrauscht, andre, neuere vorneuste
Erscheinungen sind so darüber hinweg-
gefluthet, daß es Ihnen vielleicht unnöthig
scheint, auf den vergessenen Gegen-
stand

Seite „2r“

zurückzukommen.
Gleich Anfangs würd’ ich in diesem versöhnli-
chen Tone geschrieben haben, wenn nicht Ihr erster
Brief so kategorisch, fast möcht’ ich sagen,
in Form einer Alternative gefaßt gewesen wäre.
Den Einen Ihrer Herren Söhne lernt’ ich
vor vier Jahren in Baden kennen. Vielleicht
mach’ ich in diesem Sommer die Bekanntschaft
der Mutter und kann persönlich die Hochach-
tung bezeugen, mit der ich mich nenne
euer gnädigen Frau

ganz gehorsamster K. Gutzkow
Frankfurt a. M.
d. 14 Jan. 1843.

Seite „2v“