DE | EN

Brief von Caroline de la Motte Fouqué an Rahel Varnhagen von Ense

Nennhausen, 1. Februar 1813
Biblioteka Jagiellońska Kraków | SV 60 Fouqué Caroline de la Motte, Bl. 37 XML-Datei downloaden
Absender/-in
Caroline de la Motte-Fouqué
Empfänger/-in
Rahel Varnhagen von Ense
Datierung
1. Februar 1813
Absendeort
Nennhausen
Empfangsort
Berlin
Umfang
1 Blatt
Abmessungen
Breite: 120 mm; Höhe: 190 mm
Foliierung
Foliierung in Bleistift durch die Biblioteka Jagiellońska Kraków.
Herausgeber/-innen
Jadwiga Kita-Huber; Jörg Paulus
Bearbeiter/-innen
Quellenrecherche, Transkription, Auszeichnung nach TEI P5 und Annotation durch Renata Dampc-Jarosz; XML-Korrektur durch Simona Noreik
Bibliographie
Ludwig Stern: Die Varnhagen von Ensesche Sammlung in der Königlichen Bibliothek zu Berlin. Berlin: Behrend & Co. 1911.

Seite „37r“

37

[Karl August Varnhagen]
Frau von Fouqué an
Rahel.
1813.
Nennhausen den 1t Fbr: 1813.


Sie waren bei mir, wir haben uns verfehlt
ich konnte nicht wieder zu Ihnen kommen, und
so haben wir nicht mit einander geredet. Sie
hatten mir viel zu sagen! Werden Sie
sich überwunden es schriftlich zu thun?
Wird das gehn? Versuchen Sie es einmal.
Varnhagen konnte mit mir sprechen, er wollte
aber lieber schreiben, vorzüglich in Beziehung
auf die Frau des Falkensteines
und meine
Individualität. – Er soll das bald thun, Er
soll überhaupt schreiben, recht viel, auch von
dem was in der Welt vorgeht. Der Aus-
druck aller innern Bildung ist die That, darum
ist mir das Historische und nahmentlich das
Historische der Gegenwert so viel! Ich kann
den Muth bei aller scheinbaren Ruhe noch nicht
fallen lassen. Gott hat so Großes gethan
umsonst ist nicht eine Million Menschen
umgekommen, elend geworden, verarmt,
es muß noch viel geschehen!

Seite „37v“

den 12. Es reist einer unserer Nachbarn, Hr. v.
Bredow
, nach Berlin, er nimmt Ihnen
diesen herzlichen Gruß mit, liebe Ra-
hel. Lassen Sie Varnhagen doch gleich
rufen, bitten Sie ihn recht herzlich
in meinem Nahmen um ein paar
vernünftige Zeilen. Er soll nur Don-
nerstag mit der Post nach Nennhausen
schreiben. Ich traue den Caffeehäuser
Gerüchten nicht. Er ist vernünftig, er prüft
u sieht zu, ehe er spricht.
Grüßen Sie Robert. Er hat sich
sehr vornehm rar gemacht in Berlin.
Er soll schreiben.
Adieu liebe Rahel. Sagen Sie mir
bald was Sie auf dem Herzen haben Ihre Ihnen ergebene Caroline.