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Brief von Friedrich Heinrich Schoppe an Amalia Schoppe

Hamburg, 27.–29. Juli 1814
Biblioteka Jagiellońska Kraków | SV 230 Schoppe Amalia, Bl. 374-375 XML-Datei downloaden
Absender/-in
Friedrich Heinrich Schuppe
Empfänger/-in
Amalia Schoppe
Datierung
29. Juli 1814
Absendeort
Hamburg
Empfangsort
Burg auf Fehmarn
Umfang
2 Blätter
Abmessungen
Breite: 115 mm; Höhe: 187 mm
Foliierung
Foliierung mit Bleistift durch die Biblioteka Jagiellońska Kraków.
Herausgeber/-innen
Jadwiga Kita-Huber; Jörg Paulus
Bearbeiter/-innen
Quellenrecherche, Transkription, Auszeichnung nach TEI P5 und Annotation durch Paweł Zarychta; XML-Korrektur durch Simona Noreik
Bibliographie
Erstdruck: Thomsen, S. 101–102.

Seite „374r“

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Assing
Hamburg Mittwoch. 27 Julius

Herr K. Hanft
der von früh Morgens bis spät Abends
jetzt in Geschäften lebt und den ich seit meiner An
wesenheit hieselbst nicht früher gesehen habe, traf
mich vor einigen Tagen, und gab mir von deinen
zwei Briefen an ihn und den an mich zugleich
Nachrichten. Sogleich wandte ich alle Mühe
an die Erhaltung meines Abschiedes zu
beschleunigen, worin der Herr K. H. mich gegen
die Chikane der Officiere mich mit vieler
Mühe unterstützt hat. Ich bin also im
Stande, wie ich Dir geschrieben, zu Dir zu kommen.
Freitag den 29 Julius
Ich hoffe daß nicht irgend etwas vorhanden seÿ was Dich
wünschen machen könnte ich möge nicht sogleich abreisen.
Deine Sorge u Deine Wünsche für Ad. schienen meine
schleunigen Anstalten zu rechtfertigen ohne erst
einen zweiten Brief zu erwarten. Doch fühle
ich jetzt wohl daß ich zu voreilig gewesen,
da ein Umstand eingetreten seÿn kann
dessentwegen Du einen Aufschub lieber gesehen.
Die Schonung gegen schwerere Dinge die

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ich begangen
läßt mich hoffen daß Du mir
einen hierin gemachten Fehler um so leichter
verzeihen würdest da du leicht denken kannst, daß
solche nie mehr geahnte Nachrichten mein Herz
stark werden bewegt haben, und daß der
Wunsch Ad. an mein Herz zu drükken, in dem ich
schöner aufzublühen hoffe mich rastlos getrieben
haben muß. Ja ich sehne mich sehr Ihn
zu sehen, den Sohn der Mutter die ich so innig ge
liebt habe, obgleich ich schreklich gegen sie handelte
und ich sehne mich hin zu Dir daß ich dir danke
daß Du alles vergessend und vergebend mir
erlaubst, dem theuren Kinde zu nahen, mir hei
lige Pflichten gegen ihn übergeben willst.
So in der Nähe lebend von alle dem
was meinem Herzen theuer, werde ich aller Glük
seeligkeit theilhaft werden deren ich noch fähig
bin nach dem ich Dich so beleidigte, daß mein
Anblick Dir stets unangenehme Erinnerungen

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erwecken muß. –
Heute hoffte ich schon abzureisen aber vor
Montag werde ich jetzt wohl nicht wegkommen
können nur den folgenden Sonabend oder
Sonntag hoffe ich bei Euch zu seÿn.
Solltest Du den Brief nach Lubeck
an mich (poste restante) noch nicht weggeschikt
haben so bitte ich Dich nochmals darum damit
ich doch wiederum Nachrichten von Euch haben
möge, und nicht in der Ungewißheit Eures
Schiksals lebe.
Möge dein von mir zerstörtes Glück
wiederum sich erneuern, wie es deine seltene
Tugend verdient, so werde auch ich wieder
zufrieden leben können. FHS.

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