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Brief von Amalia Schoppe an Rosa Maria Assing

[Hamburg], 23. Januar 1825
Biblioteka Jagiellońska Kraków | SV 230 Schoppe Amalia, Bl. 113 XML-Datei downloaden
Absender/-in
Amalia Schoppe
Empfänger/-in
Rosa Maria Assing
Datierung
23. Januar 1825
Absendeort
Hamburg
Empfangsort
Hamburg
Umfang
1 Blatt
Abmessungen
Breite: 115 mm; Höhe: 185 mm
Foliierung
Foliierung mit Bleistift durch die Biblioteka Jagiellońska Kraków.
Herausgeber/-innen
Jadwiga Kita-Huber; Jörg Paulus
Bearbeiter/-innen
Quellenrecherche, Transkription, Auszeichnung nach TEI P5 und Annotation durch Paweł Zarychta; Korrektur durch Simona Noreik
Bibliographie
Ludwig Stern: Die Varnhagen von Ensesche Sammlung in der Königlichen Bibliothek zu Berlin. Berlin: Behrend & Co. 1911.

Seite „113r“

113

Assing
Zum 24 Jan. 1825.

Theure Rosa!

Ich übersende Dir hier meinen letzten Roman, „die
neue Armida“,
aber in doppelter Hinsicht nicht ohne
einige Furcht, was mich auch so lange zögern ließ.
Zuerst möchtest Du vielleicht die Zueignung an
F. P.
tadeln, denn ich gestehe selbst, daß Weni-
ge an meiner Stelle diesem vielfach verkann-
ten und gemißhandelten Mädchen ein Werk
zugeeignet haben würden; aber ich empfinde
noch jetzt eine herzinnige Freude darüber,
denn meinem Herzen war es ein Bedürf-
niß und eine süße Genugthuung, einmal
eine Blüthe der Achtung und Anerken-
nung auf einen Lebenspfad zu streun,
den so Viele mit Dornen besäen.
Nach meiner innigsten Ueberzeugung
[Ludmilla Assing]Emilie Pohlmann.
gehört E. P. nicht allein zu den begabte-
sten Wesen, die ich je kennen lernte, son-
dern auch zu den würdigsten, und daß
gerade das letztere von so Vielen ver-
kannt und sie vermöge ihres Standes
so ungeheuren Mißhandlungen ausgesetzt
ist, war ein Sporn mehr für mich, ihr
öffentlich einmal einen Beweis zarter
Achtung zu geben, und ich darf mir sa-
gen, daß es mir gelungen ist, einige
ihrer trüben Tage zu erhellen. Sich öffent-
lich zu dem zu bekennen, was allgemein
anerkannt ist, ist wohl nicht schwer;
aber das Herz erlegt uns oft heiligere
Pflichten auf, und eine solche glaube
ich hiemit erfüllt zu haben.

Seite „113v“

Dann, liebe Rosa, ist das Büchelchen eigent-
lich nur eine Skitze und nichts weiter –
es ist in der Anlage nicht schlecht, aber
es hätte sehr gut werden können, weil
mehrere Situationen wenigstens neu
sind, wenn ich mir Zeit hätte nehmen
können, es gehörig auszuarbeiten. Sobald
eine zweite Auflage nöthig wird, was
vielleicht der Fall sein könnte, da es
sehr stark gelesen wird und schon jetzt
mein Verleger
darauf hindeutet, so
werde ich es sorgfältig ausarbeiten
und in Vielem ganz umändern; das
aber entschuldigt mich keineswegs für
jetzt, und so ist dieses Buch ein rechter
Vorwurf für mich und kein Lob kann
mich darüber trösten, es so hingestellt
zu haben: doch hat es mich vorsichtiger
gemacht, und das ist ja schon Gewinn!
So, theure Rosa, habe ich lange ange-
standen, Dir dieses Werk zu überrei-
chen, und nur mein offenes Geständ-
niß kann Dich vielleicht mit demsel-
ben versöhnen – ich rufe Dir also
nochmals mein pater pecavi zu und
nehme Deine freundliche Nachsicht in
Anspruch.
Deine Dich innigst und ewig liebende
Amalia.
d. 23tn Jan: 1825.