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Brief von Amalia Schoppe an Rosa Maria Assing

Burg auf Fehmarn, 4. Dezember 1816
Biblioteka Jagiellońska Kraków | SV 230 Schoppe Amalia, Bl. 91 XML-Datei downloaden
Absender/-in
Amalia Schoppe
Empfänger/-in
Rosa Maria Assing
Datierung
4. Dezember 1816
Absendeort
Burg auf Fehmarn
Empfangsort
Hamburg
Umfang
1 Blatt
Abmessungen
Breite: 125 mm; Höhe: 205 mm
Foliierung
Foliierung mit Bleistift durch die Biblioteka Jagiellońska Kraków.
Herausgeber/-innen
Jadwiga Kita-Huber; Jörg Paulus
Bearbeiter/-innen
Quellenrecherche, Transkription, Auszeichnung nach TEI P5 und Annotation durch Paweł Zarychta; Korrektur durch Simona Noreik
Bibliographie
Ludwig Stern: Die Varnhagen von Ensesche Sammlung in der Königlichen Bibliothek zu Berlin. Berlin: Behrend & Co. 1911.

Seite „91r“

91

Burg, d. 4ten Dec: 1816.

Theure Rosa!

Nur einige wenige Zeilen Dir heute, meine Freundinn,
indem ich gar nicht dazu aufgelegt bin, auch mich nicht
darnach befinde viel zu schreiben. –

Ehe ich Dir noch etwas anders sage, muß ich Dir von
ganzem Herzen für den Uhland danken; o was
sind das für köstliche Lieder!

Auch der Kammerherr findet sie sehr schön, besonders
einige Sonette und Octaven und den Taillefer,
der
auch in der That ein Meisterwerk ist. –

Dem guten Justinus habe ich geschrieben
und den Brief
an meine Mutter mit dieser Gelegenheit gesendet, die
ihn auf die Post giebt. –

Vom Kammerherrn habe ich Dir, wie immer, sehr
viele Grüße zu bestellen; auch über Deinen letzten
Brief war er entzückt; er betet Dich beinahe an.
Im Frühlinge oder Sommer macht er eine Reise nach
Hamburg, und auch, wie ich glaube, nach Hanau, wo er
geboren ist; dann läßt er sich es nicht nehmen
Dir seinen Besuch abzustatten. –

Kerners trüber Geist macht mich traurig; sollte dem
durch keine Beschwörung beizukommen sein? –

Caroline Prösch ist jetzt auch Frau. Sie soll einen
sehr gebildeten Mann erhalten haben. –
Es ist interessant, daß beide Schwestern, die immer
so traut aneinander hingen, jetzt an Einem Tage ver-
heirathet worden; beide sind sehr glüklich – freilich
will das jetzt noch nichts sagen. –

Seite „91v“

Willst Du Carolinen und mir einen Gefallen thun, so
sende einliegende Zeilen nebst Allem was Du von
meinen Arbeiten besitzest auf einige Tage an sie;
die Adr. findest Du auf dem Briefe. Ich sorge dafür
daß Dir Alles wieder zugestellt wird und schreibe zu
dem Ende im Briefe Deine Adr: an Caroline. –
Es ist dies mir, um Carolinens langgehegten Wunsch
zu befriedigen einmal meine kleine Sammlung zusam-
men zu sehen. –

Assing ist sehr herzlich von mir gegrüßt und auch
Dein Bruder, wenn Du ihm schreibst.

Wir haben hier den Roman
von Lucian Buonaparte;
gelesen habe ich ihn noch nicht, erhalte ihn aber morgen:
Du kennst ihn wohl schon lange. –
In diesem Augenblick lese ich Sintram
von Fouqué
das gefällt mir besser als seine letzten Sachen. –
Des Teufels Papiere
läßt der Kammerherr auf Dein
Wort kommen; ich hätte lieber die Memoiren des
Freiherrn von S.-a
– wovon ein kleiner sehr interes-
santer Auszug in der Minerva
stand, der mich auf das
Ganze begierig machte. –
Hiebei erfolgt der letzte Brief Justinus mit freundli-
chem Dank zurück; einen frühern habe ich noch, hoffe
ihn aber Dir selbst zu überreichen. –
Tausend herzliche Umarmungen und Küsse,
von Deiner Amalia.
Grüß doch das arme Julchen – ich nehme so herzlichen
Antheil an ihrem Leid. Auch Dem: Lichtenstadt ist sehr
von mir gegrüßt, wenn sie noch in H. ist. –
Schreib mir doch gleich wieder! sonst begegne ich noch
dem Briefe unterwegs. –