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Brief von Friederike Brun an Helmina von Chézy

Sophienholm, 9. Juni 1820
Biblioteka Jagiellońska Kraków | SV 39 Brun Friederike, 09.06.1820 XML-Datei downloaden
Absender/-in
Friederike Brun
Empfänger/-in
Helmina von Chézy
Datierung
9. Juni 1820
Absendeort
Empfangsort
Kongens Lyngby
Umfang
1 Blatt
Abmessungen
Breite: 187 mm; Höhe: 225 mm
Foliierung
Foliierung in Bleistift durch die Biblioteka Jagiellońska Kraków.
Herausgeber/-innen
Jadwiga Kita-Huber; Jörg Paulus
Bearbeiter/-innen
Quellenrecherche, Transkription, Auszeichnung nach TEI P5 und Annotation durch Pedro Kauffmann Amaral; Korrektur durch Simona Noreik
Bibliographie
Ludwig Stern: Die Varnhagen von Ensesche Sammlung in der Königlichen Bibliothek zu Berlin. Berlin: Behrend & Co. 1911.

Seite „1r“

Friederike Brun an Fr. v. Chézy
Sophienholm d 9 Juni 1820
Gnädige Frau
Sie haben so Liebevoll Gütig mir den Wunsch etwas von mir in Ihre
Iduna
aufzunehmen geäußert, u die Idee eine Zeitschrift
von u für Frauen herauszugeben, ist meinen Gedanken so
befreündet, daß ich mich mit Freüden in den Kreis edler
Frauen stelle, welchen sie schon zu diesem Zwecke vereint.
Aber für den Augenblick, bin ich arm: zumahl an Gedichten
da ich eben mein kleines poetisches Füllhorn ausgeleert, indem
ein 3ter Band meiner Gedichte
erscheint. Ich sende also hier eine
so unbedeütende Klenigkeit, daß nur der gute Wille mich ent-
schuldigen kann: Allein prosaische Fragmente aus dem Schazze
meiner Errinnerungen sollen bald noch folgen
. Nur bitte ich um
eine Nachricht, wohin man die etwas Voluminöseren Pakete zu
senden hat. Die freündliche Anerbietung des schnell u Postfrei
bis Hamburg an Perthes zu unter meiner Addreße aber mit
seinem Packet der Iduna
, zu übersendenden Explr. der Iduna
nehme ich mit Danck an. Briefe hätte ich die Fülle! aber ‒ das
ist delikat!
Zugleich sende ich hier 9 kleine Gedichte
einer noch unbekannten Dichte-
rin
; welche aus partheiischer Vorliebe durch mich in die hohe Welt will
eingeführt sein. Die Lieder sind hübsch ‒ voll Gefühl ‒ die Sprache
rein: die Versifikation leicht ‒ mir scheints sie wären einer freundl.
Aufnahme werth. Ein Explr würde die Verfasserin sehr beglücken,
u könnte mit dem meinigen abgesandt werden.

Seite „1v“

Sie kennen also meine Ida gütige Frau? Sie kennen die Wonne
u den Schmerz meines Lebens? Ach wie muß ich mich freüen,
daß sie 150 Meilen weiter, in das Land meiner Sehnsucht

zieht ohne mich! Denn in dem für sie so freündlich gesinntem
Dresden, hat sie nahmenlos gelitten, u. war mit Münchens
strenger Nordalpenluft bedroht ‒ als die Grundgütige
Vorsicht es anders Lenkte! Aber wann ich die Herzgeliebte
wiedersehe ‒ daß liegt auch in den Händen des, der unsers
Daseins Fäden hält!
Meine Ida wird Ihnen diesen Brief senden. Senden Sie
Ihr gütigst die Antwort.
Hochachtungsvoll u. Ergeben
Fr Brun geb
Münter