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Brief von Karoline von Woltmann an Wilhelm Dorow

Berlin, 25. Oktober 1834
Biblioteka Jagiellońska Kraków | SV 281 Woltmann Karoline von, Bl. 13 XML-Datei downloaden
Absender/-in
Karoline von Woltmann
Empfänger/-in
Wilhelm Dorow
Datierung
25. Oktober 1834
Absendeort
Berlin
Empfangsort
Umfang
1 Blatt
Abmessungen
Breite: 215 mm; Höhe: 260 mm
Foliierung
Foliierung in Bleistift durch die Biblioteka Jagiellońska Kraków.
Herausgeber/-innen
Jadwiga Kita-Huber; Jörg Paulus
Bearbeiter/-innen
Quellenrecherche, Transkription, Auszeichnung nach TEI P5 und Annotation durch Agnieszka Sowa; XML-Korrektur durch Simona Noreik
Bibliographie
Ludwig Stern: Die Varnhagen von Ensesche Sammlung in der Königlichen Bibliothek zu Berlin. Berlin: Behrend & Co. 1911.

Seite „13r“

13

[Karl August Varnhagen]Karoline von Woltmann.

Berlin, den 25. Oktober 1834.


Unwohl seit meiner Rückkehr und bei dieser von vielen Ge-
schäften und gesellschaftlichen Abhaltungen bedrängt, habe ich
Ihnen, geehrter Herr noch nicht für das werthe bedeutende
Geschenk gedankt, womit Sie mich in den ersten Tagen mei-
nes Hierseyns beehrt und erfreut.
Inzwischen habe ich mit
Freude und Aufmerksamkeit schon in den Bänden gelesen.
Rahels Briefe
bieten so viele Gesichtspunkte, daß es nicht
leicht wird, sie unter einem zu fassen. Ein merkwürdiger
ist gewiß das treue Bild der Stufe welche die höchste intel-
lectuelle Entwicklung in Deut Norddeutschland, in unsrer
Lebensperiode erreichte, welches in ihnen enthalten ist. Ein
andres Vergnügen gewähren sie, wenn man Ansichten, die
man sich selber in der Zeit gebildet hat, durch die man
freier und glücklicher lebt, und denen man außer sich selbst
nicht oft begegnet; so originell, natürlich und spruchreich
ausgedrückt findet, daß man sie selbst in neuer, frischer
Wahrheit aufnimmt, und sicher seyn kann, man wird sich
bald durch die Wirkung dieses Buches in höherer Verständi-[gung]

Seite „13v“

mit Mehrern finden.
An schöne Tage erinnerten mich die Briefe von 1814. „Ich be-
saß es doch ein Mal, was so köstlich ist – “ sagt Göthe.
Zu dem Rest der Strophe kann ich mich nicht bekennen.
Ein sol-
ches Glück macht immerdar glücklich. Wenigstens durch meine See-
le geht dessen Erinnerung wie ein Strahl der nie erlischt, und
sie mit weniger Heiterkeit erfüllt.
Haben Sie wiederholt herzlichsten Dank. Ich hoffe Dore be-
sucht mich ein Mal auch ohne besonderen Auftrag und Veran-
lassung, was mich sehr freuen wird. Mit alter Hochachtung
und Ergebenheit die Ihre.

den
25 sten October
1834.

Karoline von Woltmann