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Brief von Helmina von Chézy an Karl August Varnhagen von Ense

Genf, 18. Dezember 1855
Biblioteka Jagiellońska Kraków | SV 47 Chézy Helmina von, Bl. 310 XML-Datei downloaden
Absender/-in
Helmina von Chézy
Empfänger/-in
Karl August Varnhagen von Ense
Datierung
18. Dezember 1855
Absendeort
Genf
Empfangsort
Berlin
Umfang
1 Blatt
Abmessungen
Breite: 140 mm; Höhe: 225 mm
Foliierung
Foliierung in Bleistift durch die Biblioteka Jagiellońska Kraków.
Herausgeber/-innen
Jadwiga Kita-Huber; Jörg Paulus
Bearbeiter/-innen
Quellenrecherche, Transkription, Auszeichnung nach TEI P5 und Annotation durch Jadwiga Kita-Huber; XML-Korrektur durch Simona Noreik
Bibliographie
Ludwig Stern: Die Varnhagen von Ensesche Sammlung in der Königlichen Bibliothek zu Berlin. Berlin: Behrend & Co. 1911.

Seite „310r“

310

[Karl August Varnhagen]
Helmina von Chézy.
Genf, den 18. Dezember 1855.

Vielgeliebter Freund!

Es ist so schön, daß Sie nach so Jahrelanger Zeit
der Trennung, eine so süße Last der Dankbar-
keit auf mich gebürdet haben; daß ich nicht
an Sie denken kann, ohne daß mir das Herz
warm aufgeht. Wüßt’ ich nur zu vergel-
ten! Ich habe nichts als meine Gesinnung,
diese war Ihnen stets im höchsten Grade eigen
und was Sie an mir gethan und thun, bleibt
Ihnen vor Gott unverloren.
Ich antworte Ihnen so schnell, weil mein Dank
Luft braucht, dann; weil ich Ihnen die Auto-
graphen schicken will, die durch ein Mißver-
ständniß liegen geblieben.
 – Mögen sie
Sie erfreuen. Schönere habe ich nicht.
Ich schreibe Ihnen heut nur einen recht
kurzen Brief, weil ein langer Sie peini-
gen möchte. Es wird noch Manches nachfol-
gen. Ich werde in Allem mich an Ihre
Weisung halten. Bedaure Sie von

Seite „310v“

Herzen wegen Dorens
Krankheit, und
hoffe, daß Sie sich wieder erholt, Sie kann
gewiß viel aushalten. Die Liebe hält solche
Person aufrecht. Meine alte Babeths
habe ich
mit großem Schmerz verloren. Ihres Gleiches
habe ich nicht wiederbekommen, das letzte Wort
meines Max an die Babeth war: nun gieb
dich zufrieden Babeth, wir kommen ja wieder
zusammen! Unbeschreiblich hat mich dies Wort
schon getröstet.
Gott mit Ihnen! Theuerster Varnhagen
Empfangen Sie einstweilen die anliegenden
Autographen die kompromittirenden Aus-
drücke welche Sie antreffen werden, müßen
wol heraus, wenn Sie sie drucken laßen
Ganz die Ihrige

Genf den 18 December
1855
Helmina v Chézÿ

Theuerster! Sind Sie so gütig die Inlage
zu besorgen. – H. v. Ch.

Dein Trosteswort hat mich erquickt
Wie Morgenthau die dürre Erde;
Damit mein Herz von Weh bedrückt,
Ermuthigt und erhaben werde! Bertha Borngraeber