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Brief von Elise von Hohenhausen an Helmina von Chézy

[Minden], 21. April 1819
Biblioteka Jagiellońska Kraków | SV 88 Hohenhausen Elise von, 21.04.1819 (Original) XML-Datei downloaden
Absender/-in
Elise von Hohenhausen
Empfänger/-in
Helmina von Chézy
Datierung
21. April 1819
Absendeort
Minden
Empfangsort
Dresden
Umfang
2 Blätter
Abmessungen
Breite: 130 mm; Höhe: 211 mm
Foliierung
Keine Foliierung durch das Archiv vorgenommen. Keine Paginierung durch die Absenderin vorhanden.
Herausgeber/-innen
Jadwiga Kita-Huber; Jörg Paulus
Bearbeiter/-innen
Quellenrecherche, Transkription und Annotation durch Betty Brux-Pinkwart; Auszeichnung nach TEI P5 durch Katarzyna Szarszewska; XML-Korrektur durch Simona Noreik
Bibliographie
Ludwig Stern: Die Varnhagen von Ensesche Sammlung in der Königlichen Bibliothek zu Berlin. Berlin: Behrend & Co. 1911.

Seite „1r“

[Karl August Varnhagen]
Elise von Hohenhausen
an Frau von Chézy.
19.

d 21ten April. 19.

Ich benutze die Gelegenheit, Ihnen mit der Antwort der Redaktion
des Sonntagsblattes meinen Dank für Ihre gütige Zu-
schrift vom 19ten März zu sagen.
In einigen Tagen
vollende ich den 1ten Gesang des Corsaren
und werde
ihn an Hofrath Winkler mit der Bitte senden
Ihnen die Mittheilung davon zu machen – Demnächst
erbitte ich mir Ihr Urtheil, aber ein recht stren-
ges, unverhülltes, darüber – Es ist nicht möglich daß
man weniger empfindlich dagegen seÿn kann, als
ich – überdem wird eine junge Frau – ihrer Persönlichkeit
halber so oft als Dichterin gerühmt – daß sie nothwen-
dig großes Mistrauen in alle Urtheile ihrer Umge-
bungen setzen muß – ein Tadel aus der Ferne, oder
aufrichtiger, ein kleines Lob – ist mir lieber als
alles große Lob in der Nähe.
Sie scheinen nicht meinen lebhaften Enthusiasmus
für Bÿron zu theilen – Auch als Mensch ist mir Bÿron
höchst interessant, So recht ein Wesen deßen Heimath,
deßen Glück nicht hinieden ist. – Die unglückliche hoff-
nungslose Liebe zu seiner Gattin – ist allen seinen
Schöpfungen einverwebt
– Ich behaupte – und die berühmte-
sten Schriftsteller sind meiner Meinung – daß der
Mann nicht so zart, so innig, und ewig lieben kann
wie das Weib – Bÿron scheint eine Ausnahme zu
machen

Seite „1v“

machen – Eine Übersetzung des Fare well

nebst meinem Nachruf
werden Sie in der Abend-
zeitung gefunden haben. Das Fare thee well
schrieb mir Winkler, sey bereits von Legations-
rath Breuer übersetzt und ehe ich diese Ueber-
setzung gelesen, mag ich keine wagen, auch däucht
mir, daß einige Schilder Bilder darin vorkommen
die eine weibliche Feder ungern malt. Vielleicht
übersetze ich es dennoch in der Folge.
Bei diesem heitern Frühlingswetter, das nach so langer
rauher Luft ein plötzliches Erwachen der Natur her-
vorruft, werden Sie auf dem Landgute Ihrer
Freundin sehr angenehme Stunden verleben –
aber gewis darüber nicht ihr glückliches Dresden
ein deutsches Athen, vergessen. – Wie viel Musenkinder
sind dort nicht vereinigt – Th. Hell, Friedrich Kind
seit Kurzm Graf Kalkreuth v. d. Malsburg. Ich den-
ke mir ihr gesellschaftliches Leben dort höchst an-
genehm.
Wenn Sie am 1ten des Bluthemondes
einen Brief
voll Geistesblüten an den Grafen Blankensee
schicken, so empfehlen Sie mich ihm – Wo und
wie lebt er jetzt? – Seine Erscheinung war mir
sehr interessant – so viel Talente – so viel
Anstand – so anspruchreich an alle Lebensfreud-
en

Seite „2r“

und doch durch körperliches Leiden wie Tantalus
am Freuden Quell darbend – Seine Gedichte haben
wie seine Gesänge eine eigene ruhrende Me-
lodie –
Führt Sie der nächste Sommer in unsre
Nähe zu den Heilquellen von Pirmont Eilse oder
Nenndorf? unaussprechlich würde mich Ihre
persönliche Bekanntschaft erfreuen.

Meine jüngere Schwester, die bei mir lebt treibt
mich zu einem Spaziergange um zu sehen wie
alle Blüthen sich erschließen – sie bedenkt nicht
daß meine Unterhaltung mit Ihnen mir d[[och]]

weit mehr Freude gewährt. Ein an[[der Mal]]

mehr, ich muß jetzt enden – Ganz

die Ihrige

Elise von Hohenhausen
geb v. Ochs.

Seite „2v“

Eliese v Hohenhausen
An
Frau Helmine von Chezÿ geb v.
Klenke
Hochwohlgeb
zu
d. s.

Man bittet recht sehr um die Adresse
des Doctor Frohwein des edlen Verthei-
digers der leidenden Menschheit in
den Feldlazarethen zu Köln.