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Brief von Therese aus dem Winckel an Helmina von Chézy

Dresden, 20. April 1832
Biblioteka Jagiellońska Kraków | SV 279 Winckel Therese aus dem, 20.04.1832 XML-Datei downloaden
Absender/-in
Therese aus dem Winckel
Empfänger/-in
Helmina von Chézy
Datierung
20. April 1832
Absendeort
Dresden
Empfangsort
Umfang
2 Blätter
Abmessungen
Breite: 115 mm; Höhe: 192 mm
Foliierung
Foliierung durch die Biblioteka Jagiellońska Kraków noch ausstehend.
Herausgeber/-innen
Jadwiga Kita-Huber; Jörg Paulus
Bearbeiter/-innen
Quellenrecherche, Transkription, Auszeichnung nach TEI P5 und Annotation durch Betty Brux-Pinkwart; Korrektur durch Simona Noreik
Bibliographie
Ludwig Stern: Die Varnhagen von Ensesche Sammlung in der Königlichen Bibliothek zu Berlin. Berlin: Behrend & Co. 1911.

Seite „1r“

[Karl August Varnhagen]Therese von Winckel.
Dresden Charfrei-
tag 1832.

Meine theuere gute Helmina

Wie rührend waren mir Ihre
lieben Zeilen, die holde Gabe
die Sie mir so freundlich senden!
ich danke Ihnen herzlich dafür,
mit wahrer Freude fand ich auch
hier die zartfühlende, fromme
Dichterin wieder, deren liebliche
Geistesblüten mich von frühster
Jugend an entzückten ! Ver-
zeihung dass ich nicht gleich
antwortete, aber meine Geschäfte

Seite „1v“

sind immer so überhäuft dass
ich erst an diesem selig stillen
Morgen einen Moment der Ruhe
gewinne. Ihr treues Wohlwollen,
meine gute Helmina, wird mir
stets sehr werth bleiben. Ist doch
jene Zeit wo wir uns sahen, wie ein
ferner Frühlingstraum verschwebt,
aber, Sie haben Recht, Glaube, Liebe
und Hoffnung leben und reifen in
uns! Um Ihren Aufenthalt in
dem lieben Süddeutschland könnte
ich Sie beneiden, wenn Sie ihn
nicht so ganz verdienten! Wien

Seite „2r“

München wären gerade die
Städte wo ich am liebsten einige
Zeit leben möchte. Sie, die Sie
nun fast alle unsere deutschen
Hauptstädte durch mehrjährigen
Aufenthalt genau kennen lernten,
sollten (poetisch eingekleidet und
personifizirt) eine Karakteristik
derselben entwerfen. Haben
Sie jetzt einen angenehmen Be-
rufs- und Würkungskreis? –
Wie geht es Ihren Söhnen
?
Ich habe dem Beruf nach, leider,
der mir so theueren Mahlereÿ nicht
so treu bleiben können, wie ich es

Seite „2v“

dem Gefühl nach möchte! Da mein
eigentliches Fach, das Kopiren alter
Meisterwerke, jetzt gar keine Unter-
stützung und Aufmunterung findet.
Ich muss daher den grössten Theil
meiner Zeit dem Unterrichtgeben in
Musik und Sprachen widmen und
kann mir zu dem lieben Malen nur
manchmal einen Tag wegstehlen!!
Sehr fleissig bin ich aber in der Musik
und ich darf wohl behaupten darin
sehr bedeutende Fortschritte gemacht
zu haben. Meine nun schon 6jährige
Anstellung als Lehrerin der Harfe und
der deutschen Sprache bei Prinzess
Louise
, nimmt mir freilich sehr viel Zeit.
Leben Sie gesegnet und heiter, mein
Lottchen grüsst Sie herzlich so wie
Ihre Therese.
Ihre Freunde
wären mir willkommen
gewesen, sie kamen aber nicht.