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Brief von Helmina von Chézy an Dorothea Schlegel

Aschaffenburg, 28. Februar 1812
Biblioteka Jagiellońska Kraków | SV 47 Chézy Helmina von, Bl. 237 XML-Datei downloaden
Absender/-in
Helmina von Chézy
Empfänger/-in
Dorothea von Schlegel
Datierung
28. Februar 1812
Absendeort
Aschaffenburg
Empfangsort
Umfang
1 Blatt
Abmessungen
Breite: 115 mm; Höhe: 200 mm
Foliierung
Foliierung in Bleistift durch die Biblioteka Jagiellońska Kraków.
Herausgeber/-innen
Jadwiga Kita-Huber; Jörg Paulus
Bearbeiter/-innen
Quellenrecherche, Transkription, Auszeichnung nach TEI P5 und Annotation durch Jadwiga Kita-Huber; XML-Korrektur durch Simona Noreik
Bibliographie
Ludwig Stern: Die Varnhagen von Ensesche Sammlung in der Königlichen Bibliothek zu Berlin. Berlin: Behrend & Co. 1911.

Seite „237r“

237

[Karl August Varnhagen]
Helmina von Chézy,
An Dorothea Schlegel.
d. 28 Feb. 1812.
Aschaffenburg
In der Voraussetzung daß meine Briefe,
nicht an Dich gelangt seyen, oder daß du
ein zufälliges besondres Hinderniß gefunden, mir
zu antworten, schreib ich dir noch einmal, u
bitte dich, mir unverzüglich die Namen der
Subskribenten zu schicken, denn es ist die
höchste Zeit, da die F Liste derselben spätestens
in vier Wochen gedruckt werden muß. Wenn
ich auch aus deinem langen Schweigen, u nach
Allem was dir von mir Falsches u Wahres
berichtet seyn mag, schließen kann, daß
du über deine unglückliche Freundin den Stab
brichst, ohne sie nur näher zu prüfen, ob
sie dies lieblose Handeln – zumal um dich
verdient hat, so muß dich das doch nicht
hindern etwas zu besorgen, was ein bloßes
Geschäfft ist. Oder vergaß du daß ich den Verlust

Seite „237v“

gleichgültig verschweige? Glaube das nicht,
ich fasse mich in Geduld, u weiß daß ich
wieder erlangen werde, was mir die Bosheit
u das leichtsinnige Urtheil der Menschen
entrissen. Wer seit ungefähr zwey Jahren
für mich verloren ist, der muß wohl nie
recht wahrhafft an mir gehangen haben,

denn so auf Hörensagen hin, verurtheilt
kein billig denkendes, weniger noch ein
liebendes Gemüth. – Doch genug davon,
die paar Zeilen, die ich eben schrieb kosten
mich schon sehr heiße Thränen, wer wird
den Verlust von einem Gut beweinen,
das man nie andres als in der Einbildung
beseßen?
Lebe, u lebet beyde
wohl
, u findet treuere
Herzen in Schmerz u Trübsal, als ich von
Euch rühmen kann, daß ihr es mir gewesen se[yd.]
H.C.